GLAS – WER HAT’S ERFUNDEN?
NIEMAND! UND DOCH VIELE.

Die Geschichte vom Glas ist vermutlich so alt wie die Erde selbst. Es entstand unter anderem durch Vulkanausbrüche, bei denen Quarzsand geschmolzen wurde, und brachte Gesteinsgläser wie zum Beispiel Obsidian oder Tektit hervor. Da diese ausgesprochen hart sind und einen scharfen Bruch aufweisen, nutzten die Steinzeitmenschen sie für Werkzeuge wie Bohrer, Keile oder Klingen – also schon lange, bevor sie das Glas künstlich herstellten.

Heute lässt sich nicht genau sagen, wer die künstliche Glasherstellung zuerst erfunden hat. Sie entwickelte sich fast zeitgleich, aber unabhängig voneinander im griechischen Mykene, in Ägypten, in China und in Nordtirol. Die frühesten Funde stammen aus der Zeit um 3500 vor Christus. Um ein Gefäß herzustellen, wickelte man damals Glasstäbchen, die vorher durch Hitze weich gemacht worden waren, um einen Keramik- oder Sandkern. Dieser wurde anschließend wieder entfernt. Ungefähr 200 Jahre vor Christi Geburt wurde in Syrien die Glasmacherpfeife entwickelt. Mit ihr können die Glasbläser direkt Hohlkörper herstellen. Da sich nun erstmals aufwendige Formen fertigen ließen, erwies sich diese Erfindung als technische Revolution. Doch sowohl die Zusammensetzung als auch die Verarbeitung von Glas wurde stets weiterentwickelt und die Kenntnisse darüber waren mancherorts besonders wertvoll.

Beispielsweise erfreute sich das venezianische Glas im 10. Jahrhundert großer Berühmtheit. Es bestach durch seine Reinheit und seinen besonderen Glanz. Da man die Rezeptur geheim halten wollte, verlegte man die Glashütten auf eine Insel vor Venedig. Die Reisefreiheit der dortigen Glasmacher wurde per Gesetz stark eingeschränkt und wer die Geheimnisse der Glaskunst verriet, sollte mit dem Tode bestraft werden. Doch dies hielt die Handwerker nicht davon ab, zu fliehen und jenseits der Alpen eine Glashütte zu errichten. So kam es, dass auch außerhalb Italiens bestes Glas hergestellt werden konnte.

Um 1330 wurde in Frankreich das Prinzip des Butzenglases entwickelt. Hier wurden Glaskugeln zu flachen Tellern geformt und deren Mittelstücke mithilfe von Blei zu größeren Scheiben zusammengesetzt. So entstand das erste Fensterglas. Seit 1688 war es möglich, Glas zu walzen. Dadurch war das Glas immer gleich dick, sodass genaues Arbeiten in hoher Stückzahl möglich wurde – eine der wichtigsten Voraussetzungen für industrielles Fensterglas. Erst seit den 1960er-Jahren wird das Floatglasverfahren industriell eingesetzt. Hierbei wird geschmolzenes Glas auf ein Bad aus flüssigem Zinn geleitet. Da das Glas leichter ist, breitet es sich darauf zu einem gleichmäßigen Film aus. So entsteht eine sehr glatte Oberfläche. Und auch unsere Gläser werden mit einer Weiterentwicklung dieses Verfahrens hergestellt, sind also äußerst ebenmäßig und widerstandsfähig gegen die üblichen Belastungen des Alltags.